Projektreise nach Uganda

Wo Aufforstung, Artenschutz und Lebensgrundlagen zusammenkommen

Im Rahmen einer mehrwöchigen Projektreise nach Uganda besuchte unsere Geschäftsführerin Mag.a Diana Leizinger im November 2025 mehrere Aufforstungs-, Artenschutz- und Bildungsprojekte, die wir gemeinsam mit dem JGI Uganda umsetzen. Die Reise bot tiefe Einblicke in die tägliche Arbeit vor Ort – und zeigte einmal mehr, wie eng der Schutz von Arten mit dem Schutz von Natur, als Lebensraum und menschliche Lebensgrundlage, verbunden ist.

Aufforstung beginnt in der Baumschule

Ein Schwerpunkt der Reise lag auf dem Besuch von sechs Baumschulen in den zwei Aufforstungsprojekten IMPACT und GREENER. Gemeinsam mit James Byamokama, dem Geschäftsführer des JGI Uganda, sprach Diana mit den Verantwortlichen vor Ort über Abläufe, Herausforderungen und Fortschritte – und packte selbst mit an.

Die Aufzucht der Setzlinge ist ein aufwendiger Prozess: Die Erde wird gesiebt und anschließend eine spezielle Mischung aus Sand, Kompost und Walderde hergestellt. Diese Zusammensetzung ermöglicht es den jungen Pflanzen, über mehrere Monate hinweg zu gedeihen, sodass sie zur nächsten Regenzeit groß und stark genug für die Auspflanzung sind.

Über 1 Million Setzlinge werden heuer in beiden Projekten gezogen und ausgepflanzt – ein wichtiger Beitrag zur Wiederherstellung degradierter Waldflächen.

Der Aufwand, der nötig ist, damit aus zarten Setzlingen einmal große, widerstandsfähige Bäume werden, ist enorm. Hut ab vor dem, was die Menschen unter den Rahmenbedingungen vor Ort leisten. Ich bin wirklich beeindruckt – und konnte mich selbst davon überzeugen, dass alles, was in den umfangreichen Projekteinreichungen versprochen wurde, auch eingehalten wird.“

– Mag.a Diana Leizinger, Geschäftsführerin JGI Austria



Zwischen Hoffnung und Realität: Abholzung bleibt allgegenwärtig

Trotz aller positiven Entwicklungen ist die Realität in der Region von massiven Abholzungen durch andere Stakeholder geprägt.

„Es ist erschütternd, wie massiv zum Teil geschlägert wird“, schildert Diana.

Für einen Moment überwog das Gefühl, mit den eigenen Anstrengungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein. Doch ein Gespräch mit Peter Appell, einem Kollegen vor Ort, änderte diese Perspektive nachhaltig, denn er antwortete:

„Jeder Tropfen auf den heißen Stein bewirkt etwas Kühlung.“

Ein Satz, der stark an Jane Goodall erinnert – und der sinnbildlich für die Haltung vieler Menschen in den Projekten steht. Vielleicht auch deshalb herrscht in beiden Aufforstungsprojekten spürbare Aufbruchsstimmung. Für dieses Jahr ist geplant, verstärkt den Dialog mit jenen Akteuren zu suchen, die für Abholzung verantwortlich sind, Zusammenhänge zu erklären und für langfristige Wirkungen zu sensibilisieren.


Aufforstung, die Leben verändert

Besonders eindrücklich war die Arbeit mit den Menschen in den Baumschulen. Sie verdienen hier nicht nur ein Einkommen, sondern erhalten in Schulungen auch Wissen über den Zusammenhang zwischen Lebensraumverlust und ihrer eigenen Existenz als Selbstversorger:innen und Kleinbäuer:innen.

Viele Frauen im GREENER-Projekt arbeiten täglich mehrere Stunden in den Baumschulen – oft bei großer Hitze. Doch immer mit dem Ziel und großer Vorfreude: Wenn die Obstbäume in einigen Jahren Früchte tragen, sichern sie zusätzliche Nahrung und neue Einkommensquellen.

Ein weiterer Meilenstein der Projektreise: die Eröffnung mehrerer Brunnen. Sie ersparen den Frauen lange Wege zu mitunter verunreinigten Wasserquellen und ermöglichen eine sichere Versorgung der Familien mit sauberem Trinkwasser.

Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Reise: Es reicht nicht, die Bedeutung eines intakten Ökosystems zu erklären. Menschen müssen die Vorteile ihres Handelns sehen – und idealerweise direkt spüren.“

– Mag.a Diana Leizinger, Geschäftsführerin JGI Austria



Tradition bewahren, Zukunft sichern: das Mutuba-Projekt

Im Mutuba-Projekt konnte erstmals von Bäumen, die vor vier Jahren gepflanzt wurden, Rinde geerntet werden. Adolf Aroho, einer der Waldbesitzer in dessen Familie die Technik seit Generationen weitergegeben wird, demonstrierte voller Stolz dieses alten Kulturgut, bei dem aus der Rinde des Feigenbaums ein textilähnlicher Stoff gewonnen wird. Durch das behutsame Klopfen der geernteten Rinde erlangt sie tuchartige Textierung und wird um rund zwei Drittel größer – ein Handwerk mit langer Tradition und neuer wirtschaftlicher Perspektive für die Familien. Besonders nachhaltig: der Baum wird dabei nicht zerstört, sondern kann weiterwachsen.


Artenschutz braucht Akzeptanz

Was im Lebensraumschutz gilt, trifft auch auf den Artenschutz zu: Erklärungen allein reichen nicht. Es braucht konkrete Vorteile für jene Menschen, die den Schutz mittragen sollen.

In Uganda führt der zunehmende Lebensraumverlust dazu, dass Schimpansen Felder zerstören und für die lokale Bevölkerung zur Bedrohung werden. Warum sollten Menschen diese Tiere schützen, wenn ihre eigene Existenz gefährdet ist?

Ein Beispiel ist die Kyambuma Schlucht. Die dort lebenden Tiere gelten als „Lost Chimps“. Ein genetischer Austausch mit anderen Schimpansengruppen ist nicht mehr möglich, da die ursprünglichen Waldkorridore mittlerweile von Menschen besiedelt sind.

Immer wieder kommt es zu Mensch-Wildtier-Konflikten. Das JGI Uganda unterstützt die lokale Bevölkerung mit Schulungen  über das Verhalten von Schimpansen und Möglichkeiten des Zusammenlebens. Gleichzeitig soll die lokale Bevölkerung auch vom Tourismus profitierten und wird ausgebildet um Jobs als Ranger, Parkbetreuer oder Assistent zu übernehmen.


Ranger im Einsatz für das Leben

Beeindruckend war auch der Besuch bei den Ranger-Teams, die seit Jahren tödliche Schlingfallen von Wilderern entfernen. Ihre Leiterin Emily Ottali zeigte verstörende Bilder von Verletzungen, erklärte verschiedene Fallentypen – und ermöglichte Diana die Teilnahme an einer Patrouille durch den Regenwald.

„Erst im Gehen wurde mir bewusst, was diese Männer täglich leisten“, berichtet Diana.

Neben der Gefahr eines Aufeinandertreffens mit bewaffneten, gewaltbereiten Wilderern, dokumentieren die Ranger akribisch Tierbeobachtungen, Fruchtstände und Bewegungsmuster. Diese Daten bilden die Grundlage für zukünftige Patrouillen – mit messbarem Erfolg: Die Zahl verletzter Tiere ist deutlich zurückgegangen, wie auch die Tierärzte vor Ort bestätigen.


Schutzstation Ngamba Island: gut versorgt

Ein herzliches Wiedersehen gab es mit dem Team der Schutzstation Ngamba Island. Die 53 Schimpansen der Insel sind bestens versorgt, von den Nachtunterkünften bis zur Nahrung. Renovierungsbedarf besteht jedoch bei den Unterkünften der Pfleger sowie bei Schutzmaßnahmen gegen wiederkehrende Hochwasser.

Eine Beobachtung sorgte bei Diana für ein Schmunzeln: „Bei Mensch wie bei Schimpanse gilt offenbar: Wenn alles da ist, wird es manchmal langweilig – und dann kommen dumme Ideen.“

Umso wichtiger sind auf Ngamba Island Beschäftigung, Enrichment und wissenschaftliche Studien, an denen die neugierigeren Tiere begeistert teilnehmen.


Bildung als Schlüssel: Das Batwa-Projekt

Auch im Batwaprojekt gibt es Erfolge: die Mehrheit der 31 Kinder, die dank Pat:innen aus Österreich Internatsschulen besuchen konnten, haben die Primarstufe erfolgreich abgeschlossen. Gemeinsam mit den Eltern wird nun über den weiteren Bildungsweg entschieden – höhere Schule oder Berufsausbildung.

Besonders erfreulich: Mit dem neuen Schuljahr entstehen auch an diesen Schulen Roots & Shoots Gruppen.


Unser Versprechen

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Fotos: JGI Uganda, Diana Leizinger