
Sie zeugen von Intelligenz, kulturellen Traditionen und einer Entdeckung, die unser Verständnis vom Menschen veränderte.
Im Senegal fertigen Schimpansen Werkzeuge an, um an Nahrung zu gelangen – und geben ihr Wissen darüber über Generationen weiter. Einige dieser besonderen Zeugnisse tierischer Intelligenz werden nun im Rahmen unserer Online-Auktion A PROMISE OF HOPE versteigert. Doch was macht sie so außergewöhnlich? Und welche Geschichten erzählen sie über unsere nächsten Verwandten?
Die Kultur der Schimpansen
Als Jane Goodall 1960 in Gombe, Tansania, erstmals beobachtete, wie ein Schimpanse ein Werkzeug benutzte und veränderte, stellte sie eine zentrale wissenschaftliche Annahme infrage: dass Werkzeugherstellung und -gebrauch dem Menschen vorbehalten seien.
Mehr als sechs Jahrzehnte später wird diese Forschung vom Jane Goodall Institute weitergeführt – auch im Senegal, der Heimat der vom Aussterben bedrohten Westlichen Schimpansen. Dort erforscht ein Team, wie die Tiere Werkzeuge herstellen und einsetzen und welche erstaunlichen Traditionen sie von einer Generation zur nächsten weitergeben.
Expertin im Gespräch
Wir haben mit Laia Dotras, Primatologin und Co-Leiterin der Abteilung für Schimpansenforschung und -schutz des Jane Goodall Institute Spanien im Senegal, über diese faszinierenden Fähigkeiten gesprochen – und darüber, warum die Werkzeuge, die bei A PROMISE OF HOPE unter den Hammer kommen, weit mehr sind als gewöhnliche Äste.

„Diese Werkzeuge sind Spuren einer faszinierenden Kultur“
Laia, die Werkzeuge, die bei unserer Online-Auktion versteigert werden, stammen aus dem Senegal. Was genau haben wir hier vor uns?
Es handelt sich um Werkzeuge aus Ästen, Zweigen oder Ranken, die Schimpansen gezielt auswählen und bearbeiten, um an Nahrung zu gelangen. Je nachdem, was sie erreichen möchten, unterscheiden sich Material, Länge und Form. Werkzeuge zum Termitenangeln sind beispielsweise meist kürzer und dünner als jene, mit denen Schimpansen Ameisen oder Algen aus dem Wasser holen.
Woher stammen diese besonderen Werkzeuge und was wissen wir über ihre Geschichte?
Sie stammen aus dem Dindefelo Community Nature Reserve im Südosten des Senegal. Unsere Feldassistent haben sie im Rahmen der Beobachtung der dort lebenden Schimpansenpopulation gesammelt. Da die Schimpansen nicht an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt sind, untersuchen wir ihren Werkzeuggebrauch mithilfe indirekter Forschungsmethoden. Wir analysieren die hinterlassenen Werkzeuge und nutzen Kamerafallen, um ihr Verhalten zu dokumentieren. So können wir nachvollziehen, wie sie Pflanzenmaterial auswählen, bearbeiten und schließlich als Werkzeug einsetzen. Diese Werkzeuge sind also gewissermaßen greifbare Spuren ihres Verhaltens.
Was verraten uns diese Werkzeuge über die Intelligenz von Schimpansen?
Sie zeigen, wie bemerkenswert ihre Fähigkeit ist, Probleme zu lösen und sich an unterschiedliche Lebensräume anzupassen. Schimpansen müssen sich merken, wo sie Nahrung und geeignete Materialien finden. Sie treffen Entscheidungen darüber, welche Materialien und Techniken sie verwenden. Besonders faszinierend ist auch das soziale Lernen: Junge Schimpansen lernen von älteren Tieren und übernehmen dabei Techniken und Traditionen des Werkzeuggebrauchs, die für ihre jeweilige Gemeinschaft charakteristisch sein können. Dieses Wissen wird so von Generation zu Generation weitergegeben.
Bedeutet das, dass Schimpansen unterschiedliche Kulturen haben?
Ja! Die Verwendung von Werkzeugen kann sich zwischen verschiedenen Schimpansengemeinschaften erheblich unterscheiden. Ein faszinierendes Beispiel ist das Nüsseknacken in Westafrika. Manche Schimpansen verwenden Steine oder Holzstücke als Hammer und Amboss. Andere Gemeinschaften tun das nicht, obwohl ihnen dieselben Materialien zur Verfügung stehen. Diese Unterschiede zeigen uns, dass Schimpansen kulturelle Traditionen besitzen, die nicht überall gleich sind.

Die junge Schimpansin Neené fischt im Senegal nach Termiten.
Eine Entdeckung, die unser Weltbild veränderte
Jane Goodalls Entdeckung, dass Schimpansen Werkzeuge herstellen und benutzen, war revolutionär. Warum war sie damals so bedeutend?
Damals ging man weitgehend davon aus, dass die Herstellung und Verwendung von Werkzeugen ausschließlich menschliche Fähigkeiten seien. Janes Entdeckung stellte diese grundlegende Unterscheidung infrage. Sie zeigte, dass Schimpansen Fähigkeiten besitzen, die man zuvor nur dem Menschen zugeschrieben hatte. Damit veränderte sie unser Verständnis der Beziehung zwischen Menschen und anderen Tieren grundlegend.
Du arbeitest seit über 20 Jahren mit Schimpansen. Gibt es etwas, das dich bis heute überrascht?
Je mehr wir über Schimpansen lernen, desto mehr entdecken wir über ihr außergewöhnliches Verhalten und ihre Anpassungsfähigkeit. Erst kürzlich haben wir eine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, die zeigt, dass erwachsene Schimpansen, vor allem Mütter, ihre Werkzeuge mit Jungtieren teilen und damit deren Lernprozess unterstützen. Selbst nach über 20 Jahren bin ich überzeugt, dass Schimpansen noch viele Überraschungen für uns bereithalten.

Das Männchen Thiaoum bearbeitet einen Zweig um ihn als Werkzeug zu nützen.
Ein Stück Geschichte. Ein Versprechen für die Zukunft.
Was bedeuten diese Werkzeuge für dich persönlich im Hinblick auf Jane Goodalls Vermächtnis?
Sie erinnern mich daran, dass Janes Vermächtnis weiterlebt. Die Forschung, die sie einst begann, wird heute an verschiedenen Orten Afrikas fortgesetzt, auch hier im Senegal. Sie hilft uns, das Verhalten, die Intelligenz und die Kultur von Schimpansen besser zu verstehen. Gleichzeitig macht sie auf die Bedrohungen aufmerksam, denen diese Tiere ausgesetzt sind, und stärkt unsere Bemühungen, ihre Lebensräume zu schützen.
Wenn du den Menschen, die diese Werkzeuge bei unserer Online-Auktion A PROMISE OF HOPE ersteigern, eine Botschaft mitgeben könntest, welche wäre das?
Das Werkzeug, das ihr in euren Händen haltet, ist weit mehr als ein Stück Pflanzenmaterial. Es ist ein Schatz. Eine direkte Verbindung zu einem der wenigen Schimpansen, die noch im Senegal leben. Schätzungen zufolge gibt es im ganzen Land nur noch rund 500 Schimpansen. Sie gehören zu einer der am stärksten bedrohten Schimpansen-Unterarten weltweit. Mit unserer Arbeit möchten wir nicht nur verstehen, wie viele Schimpansen dort leben, sondern auch, wer sie sind, wie sie miteinander umgehen und welche Traditionen sie weitergeben. Wir lernen dabei Individuen wie Soukki und Hiila kennen, zwei erwachsene Schimpansenweibchen, die ihren Nachwuchs im Umgang mit Werkzeugen unterrichten. Wer eines dieser Werkzeuge erwirbt, hält also ein kleines Stück ihrer Geschichte in den Händen. Und hilft gleichzeitig dabei, dass diese Geschichte weitergehen kann.

A PROMISE OF HOPE – Holen Sie sich ein Stück Geschichte
Ein unscheinbarer Zweig kann eine außergewöhnliche Geschichte erzählen. Von Intelligenz und Einfallsreichtum. Von Wissen, das über Generationen weitergegeben wird. Und von einer Zukunft, die wir gemeinsam schützen können.
Im Rahmen unserer Online – Auktion A PROMISE OF HOPE haben Sie die einmalige Gelegenheit, eines dieser besonderen Schimpansenwerkzeuge aus dem Senegal zu ersteigern und damit die Arbeit des Jane Goodall Institute Austria zu unterstützen.
Ein Stück lebendiger Forschungsgeschichte. Ein Zeichen der Hoffnung. Und die Chance, Jane Goodalls Vermächtnis weiterzutragen.
Entdecke Sie A PROMISE OF HOPE und werden Sie Teil dieser besonderen Geschichte.

Fotos: JGI Senegal, Lennart Stolte, Nick Riley
