
Aïssatou zeigt, wie Bildung, Engagement und lokale Expertise Schimpansen schützen und den Naturschutz nachhaltig stärken.
Zwischen tausenden Kamerafallen-Aufnahmen aus dem Dindefelo Reserve verbirgt sich nicht nur das geheime Leben von Schimpansen und anderen Wildtieren – sondern auch die beeindruckende Geschichte einer Frau, die ihren eigenen Weg zum Artenschutz gefunden hat. Aïssatou ist heute Feldassistentin in der Forschungsabteilung des Jane Goodall Institute Senegal und verbindet wissenschaftliche Arbeit mit Umweltbildung und der engen Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden.
Eine Chance, die alles veränderte
Aïssatou stammt aus dem Dorf Dindefelo im Südosten Senegals. Wie viele Mädchen und Frauen in ihrer Region konnte sie ihre schulische Ausbildung nicht abschließen. Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern verdiente sie ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten – unter anderem als Köchin und Kellnerin in lokalen Touristenunterkünften.
2019 erkannte das Jane Goodall Institute ihr Potenzial und lud sie ein, an Aktivitäten des Jugend- und Umweltprogramms Roots & Shoots teilzunehmen. Was zunächst als Unterstützung bei Bildungsprojekten begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem außergewöhnlichen beruflichen Weg. Mit großem Engagement, Lernbereitschaft und Eigeninitiative übernahm Aïssatou immer mehr Verantwortung und wurde 2021 offiziell Teil der Forschungsabteilung. Damit hat sie sich zugleich in einem Arbeitsbereich etabliert, der in ihrer Region traditionell von Männern geprägt ist, und trägt dazu bei, bestehende Rollenbilder aufzubrechen.
Forschung für den Schutz der Schimpansen
- Heute analysiert Aïssatou die Aufnahmen zahlreicher Kamerafallen aus dem Dindefelo Community Nature Reserve. Sie identifiziert Wildtierarten, dokumentiert wissenschaftliche Daten und unterstützt insbesondere die Forschung über die dort lebenden Schimpansen.
- Obwohl sie zuvor kaum Erfahrung im Umgang mit Computern oder digitaler Datenauswertung hatte, eignete sie sich durch intensive Schulungen und großes persönliches Engagement alle notwendigen technischen Fähigkeiten an.
- Ihre Arbeit liefert wertvolle Erkenntnisse über die Tierwelt des Schutzgebietes und bildet eine wichtige Grundlage für wirksame Naturschutzmaßnahmen.



Aïssatous Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, Menschen vor Ort zu stärken und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen. Erfolgreicher Naturschutz lebt von engagierten Menschen, die ihre Region, ihre Gemeinschaften und die Tierwelt kennen. Sie verbinden wissenschaftliche Forschung mit gelebtem Naturschutz – und genau das macht unsere Arbeit so wirkungsvoll.“
– Diana Leizinger, Geschäftsführerin JGI Austria
Naturschutz beginnt bei den Menschen
Neben ihrer Forschungsarbeit engagiert sich Aïssatou intensiv in der Umweltbildung und in Projekten zur Förderung eines friedlichen Zusammenlebens von Menschen und Schimpansen.
Gemeinsam mit ihren Kolleg informiert sie die Bevölkerung darüber, wie Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren vermieden werden können und warum der Schutz der natürlichen Lebensräume so wichtig ist.

„Die Auswirkungen meiner Arbeit auf die Gemeinschaft sind positiv“, erzählt Aïssatou. „Immer mehr Menschen entwickeln ein Bewusstsein für den Umweltschutz und wissen, wie sie sich gegenüber Schimpansen verhalten sollten.“
Darüber hinaus unterstützt sie die Planung und Auswertung dieser Bildungsmaßnahmen. Dank gezielter Weiterbildungen und ihrer offenen Art führt sie Interviews mit Gemeindemitgliedern und trägt dazu bei, den Erfolg der Projekte zu dokumentieren und die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung weiter zu stärken.
Begeisterung für die nächste Generation
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in Schulen und Jugendprojekten. Im Rahmen des Programms Roots & Shoots vermittelt Aïssatou Kindern und Jugendlichen Wissen über Natur- und Artenschutz und motiviert sie, selbst Verantwortung für ihre Umwelt zu übernehmen.
So trägt sie dazu bei, dass junge Menschen den Wert ihrer einzigartigen Natur erkennen und sich aktiv für den Schutz der Schimpansen und ihrer Lebensräume einsetzen.

Eine Erfolgsgeschichte mit Wirkung
Für Aïssatou hat ihre Arbeit nicht nur beruflich, sondern auch persönlich vieles verändert. „Meine Arbeit hat mir finanzielle Unabhängigkeit und mehr Selbstvertrauen gegeben“, sagt sie. „Sie hilft mir, meine Familie zu unterstützen und mich persönlich weiterzuentwickeln.“
Ihre Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltiger Naturschutz weit über wissenschaftliche Forschung hinausgeht. Er gelingt insbesondere, wenn Menschen aus den Regionen selbst aktiv mitgestalten, Verantwortung übernehmen und sich einbringen können.
Genau darin liegt seit jeher ein zentraler Ansatz des Jane Goodall Institute: Menschen zu befähigen, Teil der Lösung zu sein – für den Schutz der Schimpansen, ihrer Lebensräume und einer Zukunft, in der Menschen die Natur schätzen und bewahren.
Sie möchten unsere Arbeit unterstützen?
Geschichten wie die von Aïssatou zeigen, dass Arten- und Naturschutz dort am erfolgreichsten sind, wo Menschen vor Ort Verantwortung übernehmen können. Als BeJane-Mitglied helfen Sie uns, genau diese Arbeit langfristig möglich zu machen – für Schimpansen, ihre Lebensräume und die Menschen, die sie schützen.
Fotos: JGI Spain, Laia Dotras, Alseyni Diallo, Nadia Mirghani
