Jane Goodall in Forschungsstation

Jane Goodall in Forschungsstation
9. Oktober 2014 Nikola Reiner-Rautek

Auf Einladung des Ehrenbotschafters Univ.-Prof. Dr. Ludwig Huber, der Vetmeduni Vienna und der Universität Wien besuchte Jane Goodall am 1.10.2014 die Forschungsstation Haidlhof bei Bad Vöslau. Sie wurde begleitet von Vizekanzler, Wissenschafts- und Forschungsminister Dr. Reinhold Mitterlehner, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Rektorin Dr. Sonja Hammerschmid, Rektor Dr. Heinz Engl und WissenschafterInnen. Am Haidlhof untersuchen ForscherInnen der Universität Wien und der Vetmeduni Vienna das soziale Verhalten von Vögeln und Freilandschweinen.

Jane Goodall, deren eigene Forschungsstation im Gombe Stream Nationalpark in Tansania die längste durchgehende Freilandstudie der Welt ist, zeigte sich beim Besuch begeistert: „Wissenschaft ebnet den Weg für Neues. Forschungsergebnisse besitzen die Kraft, eine Gesellschaft und deren Umgang mit Tieren zu verändern. Je mehr wir über Tiere, ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse wissen, desto besser können wir sie schützen.“ Neben dem Gesprächen mit WissenschafterInnen, Minister und Landeshauptmann, freute sich Jane Goodall darüber die Keas, Raben und Schweine aus nächster Nähe zu erleben.

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(Fotos © Ernst Hammerschmid)

Verhaltensforschung in Österreich

Vizekanzler und Wissenschaftsminister Mitterlehner betonte die internationale Aufmerksamkeit, die Österreich im Bereich Verhaltensforschung findet: „Durch den starken internationalen wissenschaftlichen Austausch wird die österreichische Tradition der Verhaltensforschung am Haidlhof auf hohem Niveau weitergeführt. Zudem ist die Anlage auch ein Beispiel für gelebte Kooperation zwischen Disziplinen und Standorten“. Die im Bezirk Baden gelegene Forschungsstation ist am Lehr- und Forschungsgut der Veterinärmedizinischen Universität Wien angesiedelt, die über mehrere Standorte in Niederösterreich verfügt. Landeshauptmann Erwin Pröll, der Jane Goodall schon im Rahmen der Rettung der Schimpansen in Gänserndorf begegnet war, freute sich über das Wiedersehen mit der Schimpansenforscherin. Er erklärte: „Dank unserer Anstrengungen im wissenschaftlichen Bereich ist Niederösterreich heute ein Wissenschaftsland mit herausragenden Adressen, hervorragenden Institutionen und großartigen Köpfen. Durch unsere zahlreichen erfolgreichen Kooperationen mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien wird die Brücke zwischen der Tradition Niederösterreichs als Agrarland und den Fortschritten Niederösterreichs als Wissenschaftsland gespannt. Damit wird gezeigt, dass exzellente Forschung auch im ländlichen Raum möglich ist“.

International gefragte Forschungsstation

Die einzigartige Forschungsstation Haidlhof ist das Ergebnis einer erfolgreichen Kooperation zwischen der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Universität Wien, die sich zu einem internationalen Aushängeschild für vergleichende Verhaltensforschung entwickelt hat. WissenschafterInnen aus Europa, Amerika, Asien und Australien erforschen am Haidlhof die Intelligenz und das soziale Verhalten von Bergpapageien, Raben und seit kurzem auch jenes von Freilandschweinen.

Die inhaltliche Federführung der Forschungsaktivitäten liegt bei drei anerkannten Biologen. Die interdisziplinären Teams um Ludwig Huber (Vetmeduni Vienna, Messerli Forschungsinstitut), Thomas Bugnyar und ERC-Preisträger Tecumseh Fitch (beide Dept. Kognitionsbiologie, Universität Wien) arbeiten hauptsächlich mit Vögeln, wie etwa den neuseeländischen Bergpapageien (Keas) und den heimischen Kolkraben. Den ForscherInnen stehen dafür weitläufige Volieren und ein Bioakustiklabor zur Verfügung. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit stehen sozio-kognitive Fähigkeiten der Vögel. Die WissenschafterInnen untersuchen, wie Vögel voneinander lernen, Probleme lösen, wie sie kooperieren und kommunizieren.

Neues Projekt mit Freilandschweinen

Seit kurzem widmen sich die ForscherInnen auch dem Verhalten von Hausschweinen, die als sehr soziale Tiere gelten. Dazu wurde mit Hilfe der schweizerischen Messerli-Stiftung ein Freilandgehege für rund 30 Kune Kune Schweine errichtet. Erforscht werden neben den sozio-kognitiven Fähigkeiten auch das Wohlbefinden und die Stressbelastung der Schweine. Ob Vögel oder Schweine – die Erkenntnisse, die an der Forschungsstation Haidlhof gewonnen werden, tragen alle zu einem besseren Verständnis der Tiere bei. Sie liefern einen wichtigen Beitrag zu einem wissenschaftsbasierten Tierschutz. Jane Goodall freut es, dass am Haidlhof besonderer Wert auf das Tierwohl gelegt wird. Kein Tier wird zu einem Test gezwungen, sie machen freiwillig mit. Trainiert werden sie mittels positiver Verstärkung.

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